Ratgeber

Prüflast für Gerüstanker: Ankerlast, Kontrollprüfung und Vorabprüfung

Kurz gesagt

Die Ankerlast ist die Gebrauchslast aus dem TG20- oder TG30-Nachweisblatt oder der Gerüstplanung. Nach NASC TG4:25 erfolgt die Kontrollprüfung mit dem 1,25-Fachen der Ankerlast und die Vorabprüfung mit dem 2-Fachen der Ankerlast bzw. dem 3-Fachen bei Nylondübeln. Für einen Standardanker mit 6.1 kN sind das 7.625 kN, 12.2 kN und 18.3 kN.

Dieser Leitfaden erläutert, wie Prüfungen vor Ort nach BS 8539:2012+A1:2021 und NASC TG4:25 geplant und durchgeführt werden. Er ersetzt weder diese Dokumente noch die Herstellerangaben zum Dübel oder die Anweisungen des für den Auftrag verantwortlichen Gerüstplaners, Ausschreibenden oder Ingenieurs, der den Prüfplan, die Lasten und die Faktoren festlegt. Eine Prüfung dokumentiert, was am Prüftag festgestellt wurde; sie stellt keine Freigabe einer Befestigung zur Verwendung dar.

Wichtige Kennwerte

Kontrollprüflast1,25 × Ankerlast
Vorabprüflast2 × Ankerlast
Vorabprüflast, Nylondübel3 × Ankerlast, sofern der Hersteller nicht angibt, dass das Kriechen bei seinem PA6- oder PA66-Dübel unerheblich ist
Zulässige GebrauchslastDie Ankerlast darf die empfohlene oder zulässige Last des Dübels nicht überschreiten
Kombinierte Zug- und QuerbelastungN_app ÷ N_rec + V_app ÷ V_rec ≤ 1.2

Woher kommt die Ankerlast?

Die Ankerlast stammt aus dem TG20- oder TG30-Nachweisblatt für das Gerüst oder bei Sonderkonstruktionen aus der Zeichnung des Gerüstplaners. Sie ist die Gebrauchslast auf Zug, die jeder Anker aufnehmen muss.

TG20 und TG30 legen ihren Verankerungsrastern drei Ankerklassen nach Gebrauchslast bei reinem Zug zugrunde: leicht mit 3.5 kN, Standard mit 6.1 kN und schwer mit 12.2 kN. NASC TG4:25 führt zudem einen Standardanker mit 9.1 kN für Kupplungen der Klasse B auf. Eine Planung kann einen anderen Wert vorgeben.

Wie verhält sich die Ankerlast zur Belastbarkeit des Dübels?

Bestanden, wenn die Ankerlast nicht über der empfohlenen Last des Dübels (Herstellerangaben) bzw. der zulässigen Last (aus Vorabprüfungen) liegt. Liegt sie darüber, die Dübelanzahl erhöhen: geplante Anzahl × Ankerlast ÷ Belastbarkeit, aufgerundet. Das kann mehr Anker bedeuten oder zwei Dübel je Anker, etwa eine Platte mit zwei Schrauben (TG4:25 §5.1).

Die empfohlene Last ist bereits der sichere Gebrauchswert des Herstellers, daher lautet die Prüfung einfach: Ankerlast ≤ empfohlene oder zulässige Last. Die Ankerlast nicht abrunden.

Wie berechne ich die Prüflasten?

Multiplizieren Sie die Ankerlast mit dem Faktor der jeweiligen Prüfung: 1,25 für die Kontrollprüfung, 2 für die Vorabprüfung oder 3 für die Vorabprüfung von Nylondübeln. Rechnen Sie mit der exakten Ankerlast Ihres Gerüsts, nicht mit einem gerundeten Wert.

Rechenbeispiel 1: Standardanker mit 6.1 kN.

  • Kontrollprüfung: 1,25 × 6.1 = 7.625 kN.
  • Vorabprüfung, kein Nylondübel: 2 × 6.1 = 12.2 kN.
  • Vorabprüfung, Nylondübel: 3 × 6.1 = 18.3 kN.

Rechenbeispiel 2: individuelle Ankerlast von 4.8 kN laut Planungszeichnung, für Dübel in Mauerwerk.

  • Vorabprüfung, kein Nylondübel: 2 × 4.8 = 9.6 kN, an 5 Dübeln.
  • Vorabprüfung, Nylondübel: 3 × 4.8 = 14.4 kN.
  • Kontrollprüfung: 1,25 × 4.8 = 6.0 kN, an mindestens 5 % der Dübel.

TG4:25 Anhang A listet die Lasten für alle vier Standard-Ankerklassen tabellarisch auf. Für Aufträge nach BS 8539 berechnet unser Prüflastrechner die Vorabprüflast.

Wie rundet TG4:25 die Kontrollprüflasten?

TG4:25 gibt die Kontrollprüflasten auf eine Nachkommastelle an, und nicht immer aufgerundet: Für einen Anker mit 6.1 kN ergibt 1,25 × 6.1 = 7.625 kN, was die Tabelle in TG4:25 als 7.6 kN aufführt. Mit welchem Wert geprüft wird, entscheidet der Planer.

Welches Prüfgerät eignet sich für welche Ankerprüfung?

Von der Kapazität her deckt ein 25-kN-Prüfgerät wie das Staht t25 Probebelastungen (Proof Tests) für alle vier Standard-Ankerklassen ab; die höchste liegt bei 1,25 × 12,2 = 15,25 kN. Die Probelast für leichte Verankerungen, 4,375 kN, entspricht 17,5 % von 25 kN. Prüfen Sie daher im Kalibrierzertifikat des Geräts, ob seine Genauigkeit bei dieser Last die von TG4:25 geforderten 5 % erfüllt. Ebenso deckt es Vorprüfungen (Preliminary Tests) an Dübeln, die nicht aus Nylon sind, bis hin zu schweren Verankerungen ab, mit 2 × 12,2 = 24,4 kN. Vorprüfungen an Nylondübeln für Verankerungen mit 9,1 kN und 12,2 kN erfordern 27,3 kN bzw. 36,6 kN und damit ein Prüfgerät wie das 60-kN-Staht t60.

In welche Richtungen wirken die Lasten auf einen Gerüstanker?

Wind drückt und zieht das Gerüst rechtwinklig zum Gebäude, daher wirkt die Hauptlast auf einen Gerüstanker in Richtung der Verankerung. Die übrigen Richtungen werden normalerweise anderweitig aufgenommen; die Tabelle zeigt, was zu tun ist, wenn sie doch auf den Anker wirken (TG4:25 §5.4 bis §5.7).

Lasten auf einen Gerüstanker

LastNormalerweise aufgenommen durchWenn sie auf den Anker wirkt
Zug (von der Wand weg)Den Anker, auf ZugDies ist die Ankerlast: mit der zulässigen Last des Ankers abgleichen
Druck (zur Wand hin)An die Wand anstoßende Riegel oder StützenBeim Hersteller erfragen, ob der Anker Druck aufnimmt und welche Wanddicke dahinter erforderlich ist
Seitlich (entlang der Wand)Abstützen oder Aussteifen gegen das GebäudeSo ausbilden, dass sie als Querkraft ankommt, niemals als Biegung
Vertikal (vom Gebäude getragene Gerüste oder Dächer, die der Wind anheben kann)Bei einem freistehenden Gerüst nichts: sein Gewicht wird in den Boden abgeleitetSo ausbilden, dass sie als Querkraft ankommt

Kann die Verankerung selbst das schwächste Glied sein?

Ja. Sind Gerüstkupplungen Teil der Verankerung, kann die Verankerung nur die zulässige Arbeitslast dieser Kupplungen tragen, unabhängig davon, was der Anker halten kann.

Wie prüfe ich kombinierte Zug- und Querbelastung?

Trägt ein Anker gleichzeitig Zug und Querkraft, prüfen Sie beide gemeinsam und nicht nur jeweils einzeln. Ein in NASC TG4:25 dargestellter Nachweis lautet:

Napp ÷ Nrec + Vapp ÷ Vrec ≤ 1.2

Dabei sind Napp und Vapp die Gebrauchslasten auf Zug und Querkraft, Nrec und Vrec die empfohlenen Zug- und Querlasten. Fassen Sie Querkräfte aus seitlichen und vertikalen Lasten zuerst zu einer Resultierenden zusammen. Erfragen Sie beim Dübelhersteller den für seinen Anker geltenden Nachweis. Siehe Querkraftprüfung.

Was gilt, wenn die Spezifikation stattdessen BS 8539 vorschreibt?

Wenn eine Leistungsbeschreibung BS 8539:2012+A1:2021 statt TG4:25 vorschreibt, gelten deren Faktoren. Bei kurzzeitiger Belastung, etwa bei der Gerüstverankerung, beträgt der Faktor νtest für Ausziehversuche nach BS 8539 in Beton 2, in Mauerwerk 3 und bei Kunststoffdübeln 3,5; zusätzlich wird die Prüflast durch αdist und Ω geteilt. In Mauerwerk ergibt sich damit eine höhere Prüflast als das 2-Fache der Ankerlast nach TG4:25. Welche Regel gilt, entscheidet der Gerüstplaner oder der verantwortliche Ingenieur. Siehe Ausziehversuche.

Weitere Fragen

Quellen

  1. NASC TG4:25 Anchorage systems for scaffolding, Abschnitte 5 und 9 sowie Anhang A, NASC
  2. NASC TG20 A comprehensive guide to good practice for tube and fitting scaffolding, NASC
  3. NASC TG30 A comprehensive guide to good practice for system scaffolding, NASC
  4. BS 8539:2012+A1:2021 Code of practice for the selection and installation of post-installed anchors in concrete and masonry, Anhang B, BSI

Prüfung von Gerüstankern

Die Staht-Geräte t25 und t60 decken Gerüstankerprüfungen bis 25 kN bzw. 60 kN ab. Für Ausziehversuche bei Projekten nach BS 8539 nutzen Sie unseren Prüflastrechner.

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